Westernreiten, entstanden aus der Arbeitsreiterei der amerikanischen Rinderzüchter, hat sich im Laufe der Zeit zu einem hochqualifizierten Sport entwickelt.
Alle Elemente die bei der Arbeit gebraucht werden sind in den verschiedenen Sportdisziplinen wiederzufinden.
Die immer höheren Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Pferde führte nach und nach zu den gleichen negativen Aspekten wie in der Englischen Sportreiterei.
Westernreiten ist aber auch das Gefühl, sich voll auf sein gut ausgebildetes Pferd verlassen zu können. Ein in Westernmanier ausgebildetes Pferd ist Arbeits- und Freizeitpartner gleichermaßen. Im Gelände zum Spazierenreiten, bei der Arbeit auf der Ranch und den Koppeln und natürlich auch bei der Arbeit am Rind.
Leichte Handhabung, ruhiges Wesen und Nervenstärke: Nicht nur in alltäglichen-, sondern gerade in gefährlichen oder bedrohlichen Situationen ist ein gut ausgebildetes Westernpferd eine echte Lebensversicherung.
Im Gegensatz zum "Englischen Reitstil" ist das Westernreiten eine "Impulsreiterei". Die Pferde sind darauf trainiert durch ein Komando, zum Beispiel die Hilfen zum Antraben, diese gewählte Gangart ohne weitere Einwirkung beizubehalten. Dadurch ist entspanntes Reiten erst möglich.
Im Englischen Reitstil wird auch nach dem Komando permanent auf das Pferd eingewirkt. Auch der ständig erforderliche Knieschluß, um den Kontakt zum Sattel zu halten, und die nach vorn gebeugte Haltung bei schnellerem Tempo sind für Pferd und Reiter nicht unbedingt geeignet, um neben dem Reiten noch andere Dinge zu tun und seine Umwelt bewußt in die Reiterei mit einzubeziehen.
In Western-Reitturnieren wird all das nachgestellt, was bei der Arbeit von Pferd und Reiter gefordert wird. Da Sport immer mehr mit Konkurenzdenken gekoppelt ist, werden immer mehr die sportlichen Erfolge dem Wohl des Pferdes übergeordnet. Das führte in den letzten 10 - 12 Jahren sogar dazu, daß bereits 2 1/2 jährige Pferde auf Turnieren ihre volle Leistung zeigen mußten.
Früher gab man den Pferden Zeit zum Reifen und das Pferd kam erst mit 5 Jahren unter den Sattel. Als ich Westernreiten gelernt habe war das mit ein Grund, mich für diese Art der Pferdeausbildung zu entscheiden. Ich habe einige solcher Pferde bearbeitet, die mit 3 1/2 kurz angeritten wurden (ca. 1 Woche) und dann wieder für 1 Jahr in die Freiheit der Herde entlassen wurden.
Nach dieser Zeit wurden sie eingefangen und nach Quebec in Kanada in Quarantäne gebracht. Dann per Flugzeug nach Deutschland und mit LKW auf die Ranch gebracht. Nach einer Eingewöhnungs- und Erholungspause haben wir mit dem Einreiten begonnen (die Pferde waren demnach 4 1/2 Jahre alt). Es gab wenig spektakuläre Aktionen, alles lief ruhig ab. Die Pferde hatten das kurze Anreiten nicht vergessen und waren im Allgemeinen recht gut zu handhaben.
Nach 3 Monaten waren sie so weit ausgebildet, daß man Pferde zum Verkauf anzubieten hatte, die alles konnten um problemlos reiten zu können oder sie mit dem Turniertraining weiter aufzubauen.
Das späte Anreiten hat den großen Vorteil, daß die Gelenke, Sehnen und Muskeln Zeit zum Ausreifen haben. Das macht das Pferd erst belastbar und man kann es viele Jahre reiten.
Ein zu früh beanspruchtes Pferd ist meist mit 10 Jahren verbraucht. Das sind so die Pferde, die man "günstig" erwerben kann. Aber Vorsicht, die Schäden sind meist nicht mehr zu reparieren und man kauft einen "Rentner" der einem noch 10 - 15 Jahre erhebliche Kosten verursacht.
Ich selbst reite seit Jahren einen Traber-Wallach. Er ist jetzt 15 Jahre und top-fit.
Letztes Jahr wurde mir ein 10jähriger Traber angeboten. Bei der Besichtigung fand ich ein bedauernswertes Tier vor. Er war auf 3 Beinen lahm, hatte einen stumpfen Blick und war nur noch ein Bild des Jammers. Das Pferd kam von der Rennbahn. Solche Pferde können nicht mehr eingesetzt werden. Der Rennbahnnbetrieb hat sie so stark geschädigt und verbraucht, daß meist der Schlachter die beste Lösung ist (sie haben Schmerzen wegen der kaputten Gelenke).
Eine direkte Folge von zu früher Beanspruchung und Überlastung im "Sport".